Wenn Leidenschaft keinen Feierabend kennt

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Beruf, Familie und Ehrenamt: Warum die Lausitzer Füchse seit mehr als 15 Jahren zu Branko Frischkes Leben gehören.

Viele kennen seine Stimme. Kaum jemand kennt den Menschen dahinter. Seit mehr als 15 Jahren ist Branko Frischke im Kampfgericht als Stadionsprecher fester Bestandteil der Heimspiele der Lausitzer Füchse. Für seine Leidenschaft nahm der 41-Jährige über viele Jahre an jedem Heimspieltag eine Autofahrt von rund 340 Kilometern in Kauf. Erst vor rund 5 Jahren verkürzte sich der Weg durch seinen Umzug nach Finsterwalde deutlich. Im Sommerinterview spricht der gebürtige Weißwasseraner über Familie, Beruf und Eishockey - und darüber, warum ihn seine Heimat bis heute nicht loslässt.

Hi Branko. Viele kennen deine Stimme, aber nur wenige kennen den Menschen dahinter. Stell dich doch einmal selbst vor: Wer ist Branko Frischke, wenn gerade kein Heimspiel der Lausitzer Füchse ansteht?

Ich bin 41 Jahre alt und – wie viele aus der Region damals – in Bad Muskau geboren. Nach dem Abitur in Weißwasser ging es zunächst für vier Jahre nach Dresden und anschließend beruflich nach Berlin. Mir war als heimatverbundenem Menschen aber immer wichtig, nie zu weit weg von der Lausitz zu sein.

Du bist dann mit deiner Familie nach Finsterwalde gezogen. Wie sieht dein Alltag dort aus?

Eigentlich nicht anders als bei vielen anderen Familien. Der Wecker klingelt halb sieben, unser Sohn wird für die Kita fertig gemacht und anschließend geht es zur Arbeit. Nach Feierabend gibt es rund ums Haus und im Garten immer etwas zu erledigen.

Was machst du beruflich und wie bringst du Beruf, Privatleben und deine Aufgaben bei den Lausitzer Füchsen unter einen Hut?

Ich habe 18 Jahre lang für eine IT-Firma in Berlin gearbeitet und dort bis 2021 auch gelebt. Danach sind wir, wie schon erwähnt, nach Finsterwalde gezogen, der Heimatstadt meiner Frau. In diesem Sommer beginnt für mich außerdem ein neuer beruflicher Abschnitt, denn ich wechsle erstmals den Arbeitgeber und bleibe ebenfalls im IT-Bereich.

Zeitlich lässt sich das alles organisieren. Entscheidend ist aber das Verständnis meiner Familie dafür, dass ich dieses Ehrenamt unbedingt machen möchte. Die Lausitzer Füchse sind für mich eine echte Herzensangelegenheit und ich habe einfach unglaublich viel Freude an dieser Aufgabe. Dafür bin ich meiner Frau und meiner Familie sehr dankbar.

Wer gehört privat zu deinem Team?

Natürlich meine Frau Jeanette. Wir haben uns 2013 in Berlin kennengelernt und im Juli 2023 geheiratet. Im November desselben Jahres kam unser Sohn Connor zur Welt.

Außerdem ist bei uns tierisch einiges los: Die Katzen Garfield, Bella und Pittiplatsch, der Belgische Schäferhund Ajak, die Kaninchen Teddy und Max, die beiden Wachteln Kuckuck und Anne – die Namen hat übrigens Connor ausgesucht – sowie sechs Hühner und ein Hahn gehören ebenfalls zur Familie. Die sind allerdings Namenlos.

Wenn einmal kein Eishockey auf dem Programm steht – womit verbringst du deine Freizeit am liebsten?

Ganz ohne Mikrofon geht es trotzdem nicht. Wenn es die Zeit zulässt, unterstütze ich auch die Handballerinnen und Handballer des SV Lok Schleife als Hallensprecher. Ansonsten entspanne ich abends gern bei einer Runde auf der Switch oder der PS5.

Du bist in Weißwasser aufgewachsen. Welche Erinnerungen verbindest du mit deinen ersten Besuchen im Fuchsbau?

Mein Vater hat mich zum Eishockey gebracht. In der alten Eishalle standen wir immer ganz oben im Block B, direkt vor der Regiekabine. Hinter uns kommentierte Andreas Friebel die Spiele für Radio WSW.

Als Jugendlicher gab es eine Phase, in der andere Dinge wichtiger waren. So richtig zurück kam die Leidenschaft dann in der Saison 2004/05 mit der Sturmreihe um Dirk Rohrbach, Mattias Wikström und Martin Sekera. Seitdem habe ich – soweit ich mich erinnern kann – kein Pflichtheimspiel der Füchse mehr verpasst. Erst als Fan, später im Kampfgericht und seit 2011 als fester Stadionsprecher.

Eigentlich bist du wohl eher zufällig ans Mikrofon gekommen. Wie lief das damals genau ab?

Das war während eines Jugend-Bundesligaspiels des ES Weißwasser. Margitta Riehle sprach mich an, weil ihr kurzfristig alle Helfer abgesagt hatten und sie das Kampfgericht allein hätte besetzen müssen.

Natürlich war ich zunächst ziemlich aufgeregt. Die grundlegenden Durchsagen kannte ich zwar, trotzdem habe ich mich vor jeder Ansage noch einmal rückversichert, ob alles richtig ist.

Später kam ich auch bei den Profis ins Kampfgericht – zunächst als Protokollant und Strafbankbetreuer, später gelegentlich auch als Sprecher. Mein erster Einsatz bei den Profis war das Pre-Playoff-Spiel gegen Dresden am 21. März 2010. Die Füchse gewannen 4:1 und zogen ins Viertelfinale ein. Seit den erfolgreichen Playdowns 2011 bin ich schließlich fester Stadionsprecher.

Gibt es einen Einsatz, an den du dich bis heute besonders gern erinnerst?

Ganz klar das Winter Game in Klingenthal. Ich war zuvor schon als Fan bei verschiedenen Open-Air-Spielen dabei. Aber selbst auf dem Eis zu stehen, vor dieser Kulisse und diesen fantastischen Fans sprechen zu dürfen, war einfach ein unglaubliches Erlebnis. Dass ich später beim MDR sogar noch mit einer Bratwurst im Fernsehen gelandet bin, gehört natürlich ebenfalls zu den Erinnerungen, über die ich heute noch schmunzeln muss.

Wann hast du gemerkt: Das ist mehr als nur einmal einspringen – das möchte ich dauerhaft machen?

Eigentlich schon nach meinem ersten Einsatz beim Nachwuchs. Ich habe Margitta direkt gefragt, ob noch Kampfrichter gebraucht werden. Zum Glück lautete die Antwort damals: Ja.

Viele hören dich während eines Heimspiels – aber kaum jemand weiß, was hinter den Kulissen passiert. Wie sieht ein Heimspieltag für dich aus?

Wir treffen uns etwa 90 Minuten vor Spielbeginn im Büro der Eisarena. Bis eine Stunde vor dem ersten Bully müssen beide Mannschaften ihre Aufstellungen eingetragen haben. Seit vergangener Saison läuft das komplett digital, was uns vieles erleichtert.

Sind alle Daten im System, werden die Unterlagen für Regie, Presse, Kommentatoren und das Kampfgericht vorbereitet. Anschließend bauen wir die Technik auf, testen die Stadionuhr, den Videobeweis und alle weiteren Systeme. Wenn alles funktioniert, warten wir eigentlich nur noch darauf, dass endlich das Spiel beginnt. Nach der Partie steht meist noch die Pressekonferenz an, bevor es für mich wieder nach Hause geht.

Wie bereitest du dich auf ein Spiel vor?

Vor jedem Heimspiel schaue ich mir die Kader des Gegners genau an. Besonders achte ich auf Spielernamen, bei denen ich mir bei der Aussprache nicht sicher bin. Dann beginnt die Recherche, auf YouTube, bei SportEurope TV oder in anderen Übertragungen. Ich höre mir an, wie Reporter, Kommentatoren oder Stadionsprecher die Namen aussprechen. Schließlich möchte ich sie auch korrekt ansagen.

Hast du vor jeder Ansage noch Lampenfieber?

Wenn ich im Kampfgericht sitze, eigentlich nicht mehr. Anders ist es, wenn Frank einmal verhindert ist und ich die Moderation vor dem Spiel direkt auf dem Eis übernehme. Das ist noch einmal eine ganz andere Situation. Da spürt man das Kribbeln schon deutlich.

Wie schafft man es, trotz aller Fan-Leidenschaft professionell und neutral zu bleiben?

Eine richtige Erklärung habe ich dafür gar nicht – es funktioniert einfach. Viele sagen mir, dass sie bei manchen Schiedsrichterentscheidungen nicht so ruhig bleiben könnten. Ich sehe das etwas anders. Schiedsrichter machen Fehler, genauso wie Spieler. Ein Stürmer schießt am Tor vorbei oder spielt einen Fehlpass, ohne dass ihm jemand Absicht unterstellt. Warum sollte das bei einem Schiedsrichter anders sein? Gäbe es den perfekten, fehlerlosen Schiedsrichter, würde er vermutlich kaum in der DEL2 pfeifen. Deshalb gehört für mich Respekt allen Beteiligten gegenüber einfach dazu.

Gibt es Situationen, in denen du besonders auf jedes Wort achten musst?

Fairplay ist mir sehr wichtig. Natürlich freue ich mich über ein Tor der Füchse und diese Emotion darf man auch hören. Ansonsten versuche ich, meine Durchsagen so neutral und sachlich wie möglich zu halten.

Was war bisher dein emotionalster Moment rund um die Lausitzer Füchse?

Der emotionalste Moment liegt tatsächlich noch vor meiner Zeit als Stadionsprecher. Bis heute kommt für mich nichts an die Playdown-Serie gegen Dresden im Jahr 2007 heran. Wir waren der große Außenseiter gegen den selbst ernannten DEL-Kandidaten.

Ich war damals beim fünften Spiel in Dresden dabei und werde nie vergessen, wie Patrick Vozar seinen Penalty verwandelte und anschließend der Dresdner Schütze verschoss. Der Jubel im Füchse-Block war unbeschreiblich. Zwei Tage später folgte Spiel sechs in Weißwasser. Als Chris Straube auf das leere Tor zulief, gefoult wurde und wir das technische Tor zugesprochen bekamen, gab es im Stadion kein Halten mehr. Allein beim Erzählen bekomme ich heute noch Gänsehaut. Und die Radioaufnahme von Andreas Friebel vom Penaltyschießen habe ich bis heute auf meiner Festplatte gespeichert.

Worüber kannst du heute noch schmunzeln?

Da gibt es tatsächlich eine Geschichte. Nach einem Fehlpass eines Füchse-Spielers ist mir ein spontanes „Mein Gott ...“ herausgerutscht. Blöderweise hatte ich nach meiner letzten Ansage vergessen, das Mikrofon auszuschalten. So durfte das komplette Stadion an meinem Kommentar teilhaben. Meine Kollegen im Kampfgericht fanden das ziemlich lustig – ich in diesem Moment eher weniger. Heute kann ich selbst herzlich darüber lachen.

Gab es einmal einen richtigen Patzer oder eine Panne, die dir bis heute in Erinnerung geblieben ist?

Entweder habe ich sie erfolgreich verdrängt oder ich hatte wirklich Glück. Zumindest fällt mir spontan keine größere Panne ein.

Du hast früher an jedem Heimspieltag rund 340 Kilometer auf dich genommen. Was macht den Fuchsbau so besonders, dass sich dieser Aufwand für dich immer gelohnt hat?

Der Fuchsbau ist für mich ein echtes Eisstadion und keine Popcorn-Arena. Die Fans sorgen jedes Mal für eine unglaubliche Atmosphäre und trotzdem bleibt alles familiär. Egal wo man hinkommt, man trifft Menschen, die man kennt. Genau das macht den besonderen Charme aus. Schade ist eigentlich nur, dass die Zuschauerkapazität inzwischen an ihre Grenzen stößt.

Wie haben sich Club und Fans in den vergangenen Jahren verändert, oder vielleicht auch nicht?

Der Verein ist deutlich professioneller geworden. Die Abläufe rund um einen Spieltag sind hervorragend organisiert und mittlerweile greift ein Rad ins andere.

Ob sich die Fans verändert haben? Ehrlich gesagt glaube ich das gar nicht. Die Stimmung war schon immer da – ganz egal, ob die Mannschaft erfolgreich war oder nicht. Das war in der alten Halle so und ist heute im Fuchsbau nicht anders.

Wenn du einen Wunsch für die Zukunft der Lausitzer Füchse frei hättest – welcher wäre das?

Natürlich wäre eine DEL2-Meisterschaft etwas ganz Besonderes. Viel wichtiger ist mir aber, dass der Eishockeystandort Weißwasser trotz aller Herausforderungen dauerhaft erhalten bleibt. Ich wünsche mir, dass die Menschen auch in Zukunft DEL2-Eishockey in Weißwasser erleben können und dass der Nachwuchs des ES Weißwasser weiterhin Spieler hervorbringt, auf die die gesamte Region stolz sein kann.

Branko beendet den Satz ...

Das Schönste an einem Heimspiel ist ...

…wenn wir gemeinsam einen Sieg feiern.

Vor einer Ansage denke ich immer ...

…eigentlich gar nichts. Ich konzentriere mich voll auf den Text, den ich gleich durchsage.

Die lauteste Stimmung gab es bei ...

…so vielen Spielen, dass ich mich unmöglich auf eines festlegen könnte.

Wenn das Mikrofon einmal ausfallen würde ...

…würde mein Puls vermutlich sofort nach oben schnellen. Dann gäbe es hektische Telefonate mit der Regie. Über eine kleine Pause würde ich mich wahrscheinlich trotzdem kurz freuen.

Nach einem Heimsieg ...

…fällt eine Menge Anspannung von mir ab.

Die Lausitzer Füchse bedeuten für mich ...

…Leidenschaft, Herzblut und natürlich auch ein bisschen Stress – aber genau den nehme ich gern in Kauf.

Die Fans sind ...

…unbeschreiblich, unersetzlich und für die Mannschaft unheimlich wichtig.

Weißwasser ist ...

…eine tolle Stadt mit ihren Herausforderungen, die deutlich besser ist als ihr Ruf.

Berlin ist ...

…einfach zu groß.

In zehn Jahren ...

…bin ich schon über 50. Hilfe!

Meine Familie würde über mich sagen ...

…„Wo ist Papa?“ – „Ach, der ist bestimmt wieder beim Eishockey.“

Ohne die Lausitzer Füchse wäre mein Leben ...

…wahrscheinlich etwas entspannter, aber ganz sicher auch deutlich langweiliger.

Branko, danke für die Zeit und die spannenden Einblicke in dein Leben.

Hab ich gern gemacht und freue mich jetzt auch schon auf die kommende Saison.