Es gibt diese Zeit im Jahr, in der Statistiken plötzlich in den Hintergrund rücken. In der aus einer langen Saison ein einziger Moment werden kann. In der jeder Wechsel, jeder Zweikampf, jeder Schuss eine neue Geschichte schreibt. Es ist Playoff-Zeit in der DEL2 und für die Lausitzer Füchse beginnt sie am Mittwochabend in Kassel.
Wieder Kassel.
Die Vergangenheit spricht eine klare Sprache, doch sie macht auch Mut: In den Playoffs trafen die Füchse und Huskies bisher dreimal aufeinander. 2016/17 setzte sich Kassel mit 4:1 in der Serie durch – die Füchse konnten immerhin einen Sieg erringen. In der Saison 2022/23 folgte ein deutlicher Sweep mit 4:0 für die Huskies, ehe es 2023/24 noch einmal richtig dramatisch wurde: Erst im siebten Spiel entschieden die Nordhessen die Serie mit 4:3 für sich. Diese Bilanz zeigt, wie eng, emotional und hart umkämpft diese Duelle stets sind und dass die Füchse immer in der Lage waren, den Favoriten ernsthaft herauszufordern.
Genau dort waren die Füchse im vorletzten Jahr schon einmal ganz nah dran, die Huskies zu stürzen.
Jetzt beginnt alles von vorn.
Der Auftakt der Best-of-Seven-Serie erfolgt am Mittwoch (18.03., 19:30 Uhr) in der Probonio Arena Kassel. Vier Siege sind notwendig, um ins Halbfinale einzuziehen. Vier Siege und gleichzeitig vier Schritte durch eine Serie, in der es kaum Raum für Fehler gibt.
Die Ausgangslage scheint klar: Kassel geht als Favorit ins Rennen. Seit Jahren zählen die Huskies zu den konstantesten Teams der Liga, bewegten sich auch in dieser Saison nahezu durchgehend an der Tabellenspitze und verfügen über eine der stärksten Offensiven der DEL2. 3,6 Tore pro Spiel, eine überragende Heimbilanz mit 20 Siegen aus 26 Spielen – Zahlen, die den Anspruch unterstreichen.
Und dieser Anspruch ist in Kassel unmissverständlich: Der Aufstieg soll endlich gelingen. Mit der Verpflichtung von Kaspars Daugavins im November haben die Nordhessen ihren Kader noch einmal gezielt verstärkt. Erfahrung, Qualität, Führungsstärke – der 37-jährige lettische Nationalspieler steht sinnbildlich für den Anspruch der Huskies in dieser Saison: kompromisslos auftreten und im entscheidenden Moment bestehen. Gleichzeitig häufen sich die Vertragsverlängerungen im Team, ein klares Signal, dass Kassel seine Schlüsselspieler langfristig halten will, unabhängig davon, ob es in Liga eins oder zwei geht.
Doch genau hier beginnt die Geschichte der Füchse.
Denn während viele Experten das Team aus Weißwasser vor der Saison eher im Tabellenkeller oder maximal in den Pre-Playoffs vermutet hatten, hat sich eine Mannschaft entwickelt, die genau für diese Spiele gemacht scheint. Jung, hungrig, eingeschworen, und mit der Fähigkeit, über sich hinauszuwachsen. Geformt und geprägt vom Trainergespann Christof Kreutzer, André Mücke und Frantisek Gistr.
Der Weg ins Viertelfinale war kein Selbstläufer. Aber er hat etwas freigelegt, das in den Playoffs oft entscheidend ist: Momentum.
„Unsere Mannschaft arbeitet immer sehr hart und bringt sowohl im Training als auch in jedem Spiel enorm viel Energie aufs Eis“, sagt unser Headcoach Christof Kreutzer. Es ist ein Satz, der in diesen Tagen fast wie ein Versprechen klingt.
Ein Versprechen an sich selbst – und an die Fans.
Denn auch sie sind längst im Playoff-Modus angekommen. Das erste Heimspiel in Weißwasser war für den Sitzplatzbereich innerhalb weniger Minuten restlos ausverkauft, Stehplatz-Tickets gibt es nur noch im oberen Umlauf. Die Sehnsucht nach großen Spielen, nach langen Serien, nach einem möglichen Halbfinale ist greifbar. Zuletzt standen die Jungs aus Hockeytown in der Saison 2008/09 im Halbfinale.
Und sie entstehen nicht allein durch Zahlen.
Denn so klar die Statistik auf den ersten Blick auch wirkt – sie erzählt nicht die ganze Geschichte. Vier Spiele, vier Ergebnisse: 2:2. Die Füchse haben Kassel in dieser Saison bereits geschlagen. Deutlich sogar. 5:2 und 3:1 auf eigenem Eis. Spiele, in denen sichtbar wurde, dass der Favorit verwundbar ist.
Vielleicht ist genau das der schmale Grat, auf dem sich diese Serie bewegen wird.
Auf der einen Seite ein Team mit Tiefe, Erfahrung und dem klaren Ziel Aufstieg. Auf der anderen Seite eine Mannschaft, die sich über Zusammenhalt, Energie und Leidenschaft definiert. Kapitän Clarke Breitkreuz beschreibt die Stimmung in der Kabine als außergewöhnlich: jeder arbeite für jeden, jeder sei bereit, den nächsten Schritt zu gehen.
Auch die personelle Situation in Hockeytown passt: Bis auf die bekannten Langzeitverletzten stehen alle Spieler zur Verfügung. Nach dem Auswärtssieg am Freitag konnte das Team noch einmal Kraft tanken, bevor am Montag die Vorbereitung auf die Serie Fahrt aufnahm.
Und irgendwo im Hintergrund gibt es noch diese kleine, fast beiläufige Geschichte: das Aufeinandertreffen der Brüder Christof und Daniel Kreutzer. Der eine an der Bande der Füchse, der andere als Sportdirektor in Kassel. Viel Raum nimmt das nicht ein – zumindest nicht öffentlich. Denn in diesen Tagen zählt etwas anderes.
Das Spiel. Die Serie. Der nächste Wechsel.
Und vielleicht wieder ein Spiel sieben.
Die Vergangenheit hat gezeigt, dass dieses Duell genau dafür gemacht ist.
Jetzt bekommt es ein neues Kapitel.
Spieltermine & Übertragung
Mittwoch, 18.03. | 19:30 Uhr – Kassel
Freitag, 20.03. | 19:30 Uhr – Weißwasser
Sonntag, 22.03. | 17:00 Uhr – Kassel
Dienstag, 24.03. | 19:30 Uhr – Weißwasser
Weitere mögliche Termine: 27.03. (Kassel), 29.03. (Weißwasser), 31.03. (Kassel)
Alle Spiele live bei SportEurope.TV sowie im Liveticker der Lausitzer Füchse.
Fan-Info
Für das zweite Auswärtsspiel am Sonntag (22.03.) wird ein Fanbus nach Kassel fahren. Noch sind Plätze verfügbar (Abfahrt 09:00 Uhr, Preis: 42,00 Euro). Anmeldung unter 0176-32492651 oder per Mail an FanbetreuungLFX@gmx.de. Und bitte vorab auch die Eintrittskarten sichern.