Der Sommer bedeutet für Eishockeyspieler zwar eine kurze Verschnaufpause, von Urlaub kann jedoch meist nur bedingt die Rede sein. Krafttraining, Athletik und die Vorbereitung auf die neue Saison bestimmen den Alltag. Für Lennart Neiße kam in den vergangenen Monaten außerdem das ständige Pendeln zwischen den Eisbären Berlin und den Lausitzer Füchsen hinzu. Trotz seines jungen Alters sammelte der Torhüter bereits wertvolle Erfahrungen im Profibereich und blickt auf ereignisreiche Monate zurück.
Lennart, mit gerade einmal 19 Jahren hast du in der DEL2 bereits 13 Spiele für unsere Füchse absolviert. Wie würdest du deine persönliche Entwicklung in der vergangenen Saison beschreiben?
Lenni: Ich bin der Meinung, dass ich mich im letzten Jahr sowohl sportlich als auch menschlich weiterentwickelt habe. Der Alltag als Profisportler ist komplett anders als alles, was ich bisher kannte. Ich bin als Athlet über mich hinausgewachsen und konnte unglaublich viel von meinen Teamkollegen lernen. Darüber habe ich mich sehr gefreut.
Torhüter gelten oft als Perfektionisten. Schaust du dir nach den Spielen deine Aktionen noch einmal genau an oder bist du jemand, der ein Spiel schnell abhaken kann?
Lenni: Ich schaue mir nach jedem Spiel gemeinsam mit meinen Torwarttrainern die Videos an. Gerade für Torhüter ist es wichtig, aus den eigenen Fehlern zu lernen, um sich beim nächsten Mal eine bessere Chance zu geben, die Scheibe zu halten.
Die Förderlizenz bedeutet für dich ständiges Pendeln zwischen Berlin und Weißwasser. Wie läuft so eine Woche eigentlich ab? Gibt es überhaupt so etwas wie einen festen Rhythmus?
Lenni: Meistens gibt es einen geplanten Rhythmus, in dem ich zwischen beiden Standorten unterwegs bin. Natürlich kann es durch Verletzungen oder Krankheiten auch kurzfristige Änderungen geben. Insgesamt ist die Förderlizenz für mich aber eine große Chance, mich weiterzuentwickeln. Deshalb bin ich mit meiner Situation sehr zufrieden.
Dein Goalie-Coach in Berlin, Sebastian Elwing, kennen die Füchse-Fans natürlich noch bestens aus seiner aktiven Zeit in Weißwasser. Spricht er manchmal noch von „seiner“ Zeit bei den Lausitzer Füchsen?
Lenni: Wir sprechen ab und zu über seine Erfahrungen während seiner Karriere. Dabei kommt natürlich auch Weißwasser immer mal wieder zur Sprache.
Torhüter gelten als echte Gewohnheitsmenschen. Sebastian Elwing hatte beispielsweise vor jedem Spieltag denselben Ablauf, das gleiche Essen und eine feste Konzentrationsphase, in der er kurz vor Spielbeginn einen Punkt fokussierte, um sich mental auf die Partie einzustimmen. Wie sieht das bei dir aus? Hast du ebenfalls feste Rituale?
Lenni: Ich habe auf jeden Fall meine festen Abläufe vor jedem Spiel. Sie helfen mir dabei, mich optimal vorzubereiten. Auch während des Spiels gibt es Dinge, die ich immer wieder mache. Wahrscheinlich fällt das kaum jemandem auf: Während einer Unterbrechung fahre ich manchmal rechts aus meinem Tor in die Ecke und klopfe dort dreimal gegen die Bande. Jeder dieser drei Schläge steht für ein Mitglied meiner Familie – meine Mutter, meinen Vater und meine Schwester. Dieser kleine Tick ist damals während meiner Zeit in Kanada entstanden und hilft mir dabei, mich meiner Familie auch während des Spiels nahe zu fühlen.
Mit dem deutschen U20-Nationalteam warst du ebenfalls im vergangenen Winter international unterwegs. Was nimmt man von solchen Turnieren mit, wenn man sich mit den besten Nachwuchsspielern anderer Nationen misst?
Lenni: Das war eine riesige Erfahrung und eine große Ehre für mich. Es ist spannend zu sehen, wie sich Spieler aus anderen Nationen entwickeln und sich mit ihnen darüber auszutauschen, was dort vielleicht anders gemacht wird als bei uns.
Wenn du auf die vergangenen zwölf Monate zurückblickst – worauf bist du persönlich am meisten stolz?
Lenni: Die U20-Weltmeisterschaft war schon ein großer Meilenstein in meinem Leben. Aber mein erstes Profispiel für die Lausitzer Füchse werde ich natürlich auch niemals vergessen.
Sommerfragen
Wie sieht für Torhüter Lennart Neiße der perfekte Sommer aus?
Lenni: Ehrlich gesagt bin ich überhaupt kein Sommermensch. Abgesehen von meinem kurzen Urlaub in Kanada freue ich mich eigentlich am meisten darauf, dass die neue Saison endlich wieder beginnt.
Wie viel Zeit bleibt Dir insgesamt zum Abschalten?
Lenni: Nach der Meisterschaft mit Berlin war ich knapp zwei Wochen zu Hause und vor einigen Wochen noch zehn Tage in Kanada. Ansonsten verbringe ich den Sommer größtenteils mit Training.
Woran arbeitest du in der Sommerpause besonders intensiv?
Lenni: Im Sommer liegt der Schwerpunkt ganz klar auf der Off-Ice-Arbeit. Das ist für den größten Teil der Vorbereitung mein Fokus.
Wie verbringst du deine freie Zeit, wenn gerade einmal kein Training auf dem Plan steht?
Lenni: Ich verbringe gerne Zeit mit meiner Freundin und unserem Hund. Außerdem nutze ich den Sommer, um meine Familie zu besuchen, die ich während der Saison nicht so oft sehen kann.
Gab es in diesem Sommer ein besonderes Erlebnis?
Lenni: Ich war zehn Tage in Kanada und konnte viele Menschen aus meiner Zeit dort wiedersehen. Das hat mich wirklich sehr gefreut.
Worauf freust du dich am meisten, wenn im August wieder das erste Eis liegt?
Lenni: Auf die Stimmung in der Halle. Aber genauso freue ich mich auf die Leidenschaft der Mannschaft und darauf, gemeinsam Spiele zu gewinnen.
Schnell gefragt…
Frühaufsteher oder Langschläfer?
Frühaufsteher.
PlayStation oder Netflix?
Netflix.
Busfahrt oder Zugfahrt?
Zugfahrt.
Lieblingsserie?
The Big Bang Theory.
Lieblingsmusik vor dem Spiel?
Ich habe keine bestimmte.
Sportliches Vorbild?
Marc-André Fleury.
Ein Wort für deine Saison 2025/26?
Unvergesslich.
Perfektes Haustier?
Mein Hund.
Bohrmaschine oder Handwerker-Service?
Bohrmaschine.
WG-Party oder früher ins Bett?
Früher ins Bett.
Waschmaschine selbst oder Hotel Mama?
Waschmaschine.
Pünktlich oder „Bin gleich da“?
Pünktlich.
Zum Abschluss: Was bedeutet dir die Unterstützung deiner Familie und deiner Freunde auf deinem bisherigen Weg?
Lenni: Der Support ist einfach der Wahnsinn. Ich könnte mir niemanden Besseren wünschen.
Dann danken wir dir herzlich für das Gespräch und wünschen dir eine erfolgreiche Vorbereitung. Wir freuen uns darauf, dich in der kommenden Saison möglichst oft wieder im Trikot der Lausitzer Füchse zwischen den Pfosten zu sehen.
Lenni: Ich freue mich einfach darauf, dass es endlich wieder losgeht. Hoffentlich sehen wir uns alle bald wieder in der Eisarena und können gemeinsam viele Siege feiern.
Auf dem Foto von links: seine kleine Cousine, Freundin, sein Cousin, Lenni und seine Schwester