off-season-talk: was macht eigentlich... Chris Theodore

Aktuelles

Vom College-Eishockey über Frankreich nach Weißwasser – Christopher Theodore im Sommerinterview

Christopher Theodore hat sich in seiner ersten Saison bei den Lausitzer Füchsen schnell eingelebt und sich seinen Platz in der Mannschaft erarbeitet. Nach mehreren Jahren im College-Eishockey in Nordamerika und einer ersten Profistation in Frankreich geht der Deutsch-Kanadier nun in seine zweite Spielzeit in Weißwasser. Im Sommerinterview spricht der 28-Jährige über seinen Wechsel nach Europa, die besondere Atmosphäre in der Hockeytown Weißwasser, seine Familie und darüber, warum inzwischen sogar „Lecker Schmecker“ zu seinem deutschen Wortschatz gehört.

Hallo Chris! Die erste Saison bei den Lausitzer Füchsen liegt hinter dir. Wenn du heute auf dein erstes Jahr in Weißwasser zurückblickst – welches Gefühl überwiegt?

Als Erstes denke ich an die unglaubliche Atmosphäre in der Hockeytown Weißwasser. Die Spiele sind unglaublich laut und unsere Fans machen es für uns zu einem der besten Orte, an denen man Eishockey spielen kann.

Du hast deinen Vertrag verlängert und wirst auch in der kommenden Saison das Trikot der Füchse tragen. Wie ist die Entscheidung gefallen und warum war Weißwasser die richtige Wahl für dich?

Vor allem der Zusammenhalt in unserer Mannschaft hat dabei eine große Rolle gespielt. Außerdem kenne ich inzwischen das Trainerteam und weiß, wie gearbeitet wird und was mich erwartet. Das waren für mich wichtige Gründe, zu bleiben.

Bevor du nach Europa gekommen bist, hast du viele Jahre in der NCAA gespielt. Wie hat dich diese Zeit als Spieler, aber auch als Mensch geprägt?

Die NCAA hat mich sowohl körperlich als auch mental weitergebracht. Ich habe dort schon früh gegen ältere Spieler gespielt und mich dadurch enorm entwickelt. Gleichzeitig gab es am College hervorragende Möglichkeiten und viele Ressourcen, um sich als Spieler und auch als Mensch weiterzuentwickeln.

Viele Fans können das College-Eishockey nur schwer einordnen. Was macht die NCAA so besonders?

Die Atmosphäre im College-Eishockey ist etwas ganz Besonderes. Du spielst für deine Universität und vertrittst sie bei jedem Spiel. Dazu kommt der Studentenblock mit vielen jungen Leuten, die ihre Mannschaft lautstark unterstützen und sich immer wieder kreative Gesänge einfallen lassen, um den Gegner aus dem Konzept zu bringen. Das macht unglaublich viel Spaß.

Nach vielen Jahren in Nordamerika bist du 2024 zum ersten Mal nach Europa gewechselt. Warum war genau dieser Zeitpunkt der richtige?

Ich hatte schon länger das Gefühl, dass Europa besser zu meinem Spiel passt und ich mich hier optimal weiterentwickeln kann. Auf der größeren Eisfläche kommen meine Stärken im Skating und mit dem Schläger besser zur Geltung.

Deine erste Station war Cergy-Pontoise in der französischen Ligue Magnus. Welche Erinnerungen verbindest du mit dieser Zeit?

Das erste Jahr war nicht einfach. Zum ersten Mal war ich so weit von zu Hause entfernt und konnte meine Familie kaum sehen. Gleichzeitig habe ich dort viel gelernt und die Höhen und Tiefen des Profieishockeys kennengelernt. Sehr gern denke ich an die Ausflüge nach Paris und an die Zeit mit meinem Zimmerpartner zurück, mit dem ich bis heute in Kontakt stehe.

Anschließend ging es in die DEL2. Wenn du NCAA, Ligue Magnus und die DEL2 vergleichst – worin liegen für dich die größten Unterschiede?

Jede Liga hat ihre eigenen Stärken. Das College-Eishockey ist sehr strukturiert. Die Ligue Magnus und die DEL2 sind sich in vielen Bereichen durchaus ähnlich. In der DEL2 spielt der kontrollierte Puckbesitz eine große Rolle. Außerdem geht es darum, die richtige Entscheidung zu treffen – also zu erkennen, wann man ein Risiko eingehen kann und wann die sichere Lösung die bessere ist.

Was hat dich am deutschen Eishockey vielleicht sogar überrascht?

Ganz klar die Fans. Es ist beeindruckend zu sehen, mit welcher Leidenschaft die Menschen in Deutschland Eishockey leben.

Gab es in deiner ersten Saison einen Moment, an dem du gedacht hast: Jetzt bin ich wirklich bei den Lausitzer Füchsen angekommen?

Eigentlich hat es sich von Anfang an besonders angefühlt. Eine Hockeytown wie Weißwasser fühlt sich einfach wie eine große Familie an.

Welche Erinnerung an deine erste Saison wirst du wahrscheinlich nie vergessen?

Den Playoff-Sieg gegen Crimmitschau.

Die Unterstützung der Füchse-Fans ist ligaweit bekannt. Gibt es einen Moment, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Es gibt gar nicht diesen einen besonderen Moment. Vielmehr war es bei jedem Heimspiel das Gefühl zu wissen, dass unsere Fans immer hinter uns stehen – ganz egal, was auf dem Eis passiert.

Auf dem Eis wirkst du sehr ruhig und überlegt. Würdest du dich selbst genauso beschreiben?

(lacht) Wer mich persönlich kennt, würde wahrscheinlich das Gegenteil sagen. Ich habe gern Spaß, versuche vieles locker zu sehen und einfach eine gute Zeit zu haben. Aber sobald es am Spieltag ernst wird, bin ich komplett fokussiert.

Du verbringst den Sommerurlaub in deiner Heimat. Wer gehört eigentlich zu deiner Familie und welche Rolle spielt sie für dich?

Zu meiner Familie gehören meine Eltern und mein Bruder. Wir stehen uns sehr nahe und ohne ihre Unterstützung und ihren Rat wäre ich heute nicht dort, wo ich bin.

Wer hatte bei den sportlichen Wettkämpfen in der Familie meistens die Nase vorn?

Normalerweise ich. (lacht) Aber in diesem Sommer hat mir mein Bruder beim Pickleball ordentlich Paroli geboten.

Gibt es im Hause Theodore eigentlich Haustiere?

Nein, bei uns gibt es keine Haustiere.

Wenn wir einen ehemaligen Mitspieler bitten würden, dich mit drei Begriffen zu beschreiben – welche wären das?

Chaotisch, einzigartig und lustig.

Wie sieht für dich ein perfekter freier Sommertag aus?

Der beginnt mit einem guten Espresso. Danach gibt es ein gesundes Frühstück und eine Trainingseinheit im Fitnessstudio. Anschließend geht es in den Spa mit Sauna und Kältebecken. Am Abend dürfen Pizza und Tiramisu nicht fehlen. Den Tag lasse ich meistens mit Videospielen mit Freunden oder einem guten Film ausklingen – oft während meiner Rotlichttherapie.

Worauf freust du dich in Kanada jedes Jahr am meisten?

Ich trainiere dort sehr gern mit meinen Freunden aus Montreal. Außerdem gibt es in Montreal unglaublich viele tolle Restaurants. Ich probiere jedes Jahr gern neue Foodspots aus.

Wie wichtig ist es für dich, Familie und Freunde nach einer langen Saison wiederzusehen?

Das ist mir sehr wichtig. Während der Saison ist es für meine Familie nicht leicht, mich in Deutschland zu besuchen. Deshalb freue ich mich jedes Mal darauf, wieder Zeit mit ihnen verbringen zu können.

Kannst du im Sommer komplett abschalten?

Eigentlich nicht. Ich bereite mich ständig auf die kommende Saison vor und arbeite immer wieder daran, mich als Spieler weiter zu verbessern.

Welchen Ort in Kanada würdest du jedem Besucher empfehlen?

Die Altstadt von Montreal. Sie ist wunderschön, hat viele besondere Ecken und für mich einige der besten Restaurants der Welt.

Hast du in Deutschland inzwischen etwas entdeckt, das dir besonders ans Herz gewachsen ist?

Definitiv das deutsche Essen. Ich bin eigentlich ziemlich wählerisch. Anfangs war ich deshalb etwas skeptisch. Aber ab November oder Dezember habe ich immer mehr deutsche Gerichte für mich entdeckt.

Welche typisch deutsche Eigenart hast du inzwischen übernommen?

Ich mag einige deutsche Redewendungen total. „Lecker Schmecker“ oder auch „Mit Karte bitte“ benutze ich inzwischen selbst. (lacht)

Zum Abschluss: Worauf dürfen sich die Füchse-Fans in der kommenden Saison bei Christopher Theodore freuen?

Auf noch mehr Geschwindigkeit und noch mehr Kreativität mit dem Puck.

Schnellfragerunde

Frühaufsteher oder Nachteule?
Nachteule.

Kaffee oder Energy-Drink?
Espresso.

Burger oder Steak?
Steak.

Lieblingsessen aus Kanada?
Hotdogs.

Deutsches Lieblingsessen?
Mohnkuchen.

Welches Lebensmittel darf in deinem Kühlschrank niemals fehlen?
Obst.

Strand oder Berge?
Strand.

Sommer oder Winter?
Winter.

Netflix oder YouTube?
YouTube.

PlayStation oder Gesellschaftsspiele?
PlayStation.

Hund oder Katze?
Hund.

Lieblingssport außer Eishockey?
Boxen.

Lieblingsurlaubsziel?
Italien.

Wer war dein Idol als Kind?
Patrick Kane.

Was wolltest du als kleiner Junge einmal werden?
Eishockey-Profi.

Welche Superkraft hättest du gern?
Gedanken lesen.

Welche drei Dinge würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?
Espressomaschine, Hantel und Handy.

Wenn du einen Tag lang jemand anderes sein könntest – wer wäre das?
Gervonta Davis.

Welcher Emoji beschreibt dich am besten?
🤯

Ein Wort, das deine kommende Saison beschreibt?
Vorfreude.

Danke für das Gespräch und eine schöne Zeit noch bis zum Saisonstart!

Gerne. Und Grüße an die Fans.