Off-Season-Talk 9: Was macht eigentlich...

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Anthony Morrone - Lausitzer Füchse – Torhüter, Fanliebling & Kanada-Export

„...Ich will konstant und verlässlich spielen – jemand sein, auf den das Team zählen kann.“

 

Hey Toni, nach deinem ersten Jahr in Deutschland bei den Lausitzer Füchsen – hättest du je gedacht, dass es so gut für dich laufen würde?

Nein, natürlich kann niemand vorhersagen, dass man gleich im ersten Jahr den Titel „Fuchs des Jahres“ bekommt. Aber ich habe mich im letzten Sommer sehr intensiv vorbereitet, um genau solche Erfolge möglich zu machen.

Im Sommer wurdest du außerdem zum „Fanspieler der Saison 2024/25“ in der gesamten DEL2 gewählt – als erster Torhüter überhaupt. Was bedeutet dir diese Auszeichnung?

Das ist eine große Ehre für mich – und etwas, das ich nie erwartet hätte. Dass die Fans ligaweit für mich abgestimmt haben, macht mich sehr stolz. Als Torhüter ist man oft nicht derjenige, der im Rampenlicht steht, deshalb ist diese Anerkennung etwas ganz Besonderes.

 Du hast, bevor du nach Weißwasser kamst, bereits in verschiedenen europäischen Ligen gespielt – AlpsHL, Ligue Magnus, ICEHL. Wie würdest du das Niveau und den Stil der DEL2 im Vergleich einordnen?

Meiner Meinung nach ist die DEL2 mit der Ligue Magnus in Frankreich vergleichbar. Ich finde, sie ist etwas defensiver ausgerichtet und es gibt weniger Importspieler.

Blicken wir kurz zurück auf die Saisonabschlussfeier – genauer gesagt auf dein Warm-up-Trikot. 2.800 € war das letzte Gebot. Was ging dir bei dieser Summe durch den Kopf? Und kennst du zufällig den Käufer?

Ich konnte es kaum glauben! Ich war überrascht, wie die Summe immer weiter nach oben ging. Ich bin sehr dankbar für die Liebe und Unterstützung der Fans. Und ja – den Käufer kenne ich, er ist sogar mein Nachbar.

Auch bei der Feier: Der Moment, in dem deine Vertragsverlängerung verkündet wurde. Wie hast du diesen Augenblick erlebt?

Das war etwas ganz Besonderes. Die Freude und Begeisterung der Fans an diesem Tag zu sehen, hat mir ein Gefühl von Wertschätzung gegeben.

Die Fans lieben dich, du hast sogar deinen eigenen Fangesang bekommen. Wie fühlt sich das an? Spürst du das auf dem Eis – oder blendest du das während des Spiels komplett aus?

Während des Spiels bin ich sehr fokussiert, aber ich liebe es, diesen Gesang zu hören. Manchmal gibt er mir in entscheidenden Momenten sogar den nötigen Extraschub.

Du hast in der kanadischen Juniorenliga gespielt – danach der Sprung nach Europa. Was war für dich die größte Umstellung?

Die größte Umstellung war die große Entfernung zu Familie und Freunden. Ich war zwar schon früh gewohnt, von zu Hause weg zu sein, aber auf der anderen Seite der Welt zu leben, ist etwas anderes. Außerdem ist das Eis hier größer, was auch mein Spiel etwas verändert hat.

Welche Station in deiner bisherigen Karriere hat dich am meisten geprägt – und warum?

Ich würde sagen meine Zeit in Sheffield, England. Dort habe ich nicht nur einen oder zwei, sondern gleich drei Titel in einer Saison gewonnen! Außerdem habe ich nicht viele Spiele gemacht, was mir die Chance gab, gezielt an Dingen zu arbeiten, die ich unbedingt verbessern wollte.

Wie sieht deine persönliche Spielvorbereitung aus? Gibt’s Rituale, ohne die du nicht aufs Eis gehst?

Ja, ich habe ein festes Ritual. Ich versuche, mich auf jedes Spiel gleich vorzubereiten – egal, um welches Spiel es geht.

Du hattest eine starke Saison mit über 92 % Fangquote. Wie bewertest du selbst deine Leistung – und was willst du noch verbessern?

Angesichts der Tatsache, dass ich während der Saison mit einigen Verletzungen zu kämpfen hatte, bin ich zufrieden mit meiner Leistung. Es gibt aber definitiv Bereiche in meinem Spiel, die ich verbessern möchte – daran arbeitete ich bereits den Sommer über Sommer und während der Saison werde ich es mit meinem Torwarttrainer František fortführen.

Was war bislang dein schönster Moment als Profi-Torhüter?

Der Gewinn des „Treble“ in England – drei Titel in einer Saison – war bislang mein größtes Highlight.

Den Sommer über war keine Saison – aber sicher auch kein Stillstand. Welche Trainingsmethoden oder Einheiten hast du genutzt, um dich fit und wettkampfstark zu halten?

 Ich mache viel Mobilitätstraining, um flexibler und gleichzeitig kräftiger zu werden. Und natürlich habe ich fast jeden Tag auf dem Eis gestanden.

Toni privat – über Kindheit, Herkunft und Hockeyträume

Du stammst aus Lorraine in Québec – einem echten Eishockey-Hotspot. Wie bist du dort zum Eishockey gekommen, und wann hat dich das Fieber gepackt?

Ich komme aus einer kleinen Stadt bei Montréal, und dort spielte eigentlich jeder Eishockey – da war es leicht, anzufangen. Als Kind habe ich Goalies wie Marc-André Fleury und Carey Price bewundert. Ich wollte so sein wie sie. Ich war wohl vier oder fünf Jahre alt, als ich mit dem Hockeyspielen begann.

War es für dich schon früh klar, dass du im Tor stehen willst?

Ja, irgendwie schon. Als wir als Kinder spielten, stand ich oft vor dem Tor und versuchte, die Pucks aufzuhalten. Meine Eltern dachten sich dann wohl: „Dann sollte er auch die richtige Ausrüstung haben!“

2019 wurdest du als „VAUGHN Goaltender of the Month“ ausgezeichnet. Welche Bedeutung hat das für dich persönlich gehabt?

Diese Auszeichnung hat mir unglaublich viel bedeutet. Es war eines der ersten Male, dass ich auf nationaler Ebene Anerkennung bekommen habe.

Wie hart war der Konkurrenzkampf auf der Torhüterposition in deinen Nachwuchsteams in Kanada?

Sehr hart – vor allem, weil ich ein Spätentwickler war. Es gab immer viele Goalies, die um nur einen Platz gekämpft haben.

Wann entstand in dir der Wunsch, in Europa Eishockey zu spielen?

Das kam durch Covid-19. Eigentlich wollte ich an einer Universität in Kanada spielen, aber wegen der Pandemie gab es dort keine Spiele. Also habe ich beschlossen, den Sprung nach Europa zu wagen, um meine Karriere bestmöglich fortzusetzen.

Wie haben deine Eltern auf deinen Plan reagiert – haben sie dich von Anfang an unterstützt?

Ja, meine Eltern haben meine Hockeyträume von klein auf unterstützt.

Wieviel Zeit kannst du im Sommer und während der Saison überhaupt mit deiner Familie verbringen?

Sehr viel. Meine Familie bedeutet mir alles, und ich verbringe so viel freie Zeit wie möglich mit ihnen.

Waren deine Eltern letzte Saison mal zu Besuch in „Hockeytown“?

Ja, sie waren da – und werden auch wiederkommen. Besonders gut hat ihnen die Weihnachtszeit in Weißwasser gefallen.

Was sind für dich die auffälligsten Unterschiede zwischen deiner Heimat in Kanada und der Lausitz?

Ganz klar die Sprache. Und die Winter hier in Weißwasser sind deutlich milder als in Kanada – das weiß ich sehr zu schätzen.

Hast du bestimmte Lieblingsplätze in Weißwasser – Orte, an denen du einfach mal abschaltest?

Meistens verbringe ich solche Momente mit meinen Teamkollegen.

Zum Schluss: Was sind deine persönlichen Ziele für die kommende Saison?

Mein Ziel ist es, mich auf die tägliche Arbeit und die kleinen Details zu konzentrieren. Ich möchte konstant und verlässlich spielen – jemand sein, auf den das Team zählen kann.

Schnellfragerunde – spontan & persönlich

Lieblingssport (außer Eishockey)? – Basketball und American Football

Lieblingsdeutsches Essen? – Schnitzel

Song, der dich vorm Spiel pusht? – Iron Man von Black Sabbath

Netflix oder Playstation? – Xbox

Härtester Gegenspieler? – Alexis Lafrenière

Drei Dinge, die immer in deiner Freizeit-Sporttasche sind? – Wasserflasche, Kopfhörer, Snack

Größte Schwäche? – Poutine – kann ich einfach nicht „Nein“ sagen

Wenn du eine Superkraft haben könntest? – Fliegen

Frühaufsteher oder Langschläfer? – Nachtmensch

Coolstes Erlebnis bei einem Penalty? – In der Juniorenliga einen spielentscheidenden Penalty gegen einen Rivalen gehalten

Vielen Dank, Toni – wir freuen uns auf Dich & viel Erfolg für die neue Saison!

Danke und bis bald!

Bei Poutine haben wir mal im Internet nachgeschaut - Poutine ist eine in Kanada populäre Fast-Food-Spezialität. Sie besteht aus Pommes frites, Käsebruch und darübergegossener Bratensauce. Die Kartoffeln sind eher gröber geschnitten als normale Pommes frites und werden traditionell doppelt frittiert, wodurch sie besonders kross werden. Ursprünglich wurde es als einfaches Fast-Food-Gericht angesehen, hat aber inzwischen einen hohen Stellenwert als kulturelles Symbol der Québecer und Kanadischen Identität erlangt.

 

Foto: F. Wagner