Zwischen Hantelbank und Pool – Lane Scheidl im Sommermodus
Während andere gerade erst in den Sommerurlaub starten, hat Lane Scheidl längst den nächsten Winter im Blick. Der 33-jährige Kanadier gehört mittlerweile zu den festen Größen im Füchse-Kader – nicht nur wegen seines unermüdlichen Einsatzes auf dem Eis, sondern auch als Familienmensch und Teamplayer abseits davon. Im Sommerinterview spricht der Offensivmann über Training ohne Puck, Lieblingsplätze in der Lausitz, seine Heimatstadt in Kanada – und warum er in Weißwasser mehr als nur einen sportlichen Anker gefunden hat.
Fit, fokussiert & familiär – Sommergespräch mit Lane Scheidl
Lane, du gehst in deine nächste Saison im Füchsedress. Wenn du auf die vergangene Spielzeit zurückblickst – welche Rolle hast du im Team eingenommen?
Letzte Saison hab ich eine Rolle übernommen, die ich schon sehr gut kenne – als Führungsspieler auf und neben dem Eis. Darauf bin ich ziemlich stolz, und ich hoffe, dass sich ein paar meiner Gewohnheiten auch auf die jüngeren Jungs übertragen haben.
In der vergangenen Saison hast du mit starken Leistungen auch kurzzeitig den Goldhelm als Topscorer der Füchse getragen – kurz vor dem Saisonende kam dann die Verletzung. Vom Goldhelm zur Zwangspause – wie bist du mit diesem emotionalen Auf und Ab umgegangen?
Verletzungen sind für keinen Sportler einfach. Aber wenn man so lange im Profi-Eishockey unterwegs ist wie ich, lernt man, mit den Höhen und Tiefen umzugehen. Auch wenn man sowas nicht komplett kontrollieren kann, gehört es leider zum Job dazu. Ich hab in der Offseason hart trainiert, um Verletzungen in Zukunft möglichst zu vermeiden und fit in die neue Saison zu starten.
Jetzt ist Sommerpause – aber so ganz ohne Eishockey geht’s wahrscheinlich nicht, oder? Hattest du die Möglichkeit, irgendwo aufs Eis zu gehen?
Bei meinem Kurzurlaub zu Hause stand ich zwei- bis dreimal pro Woche auf dem Eis – zusammen mit anderen Profis, die in der NHL, AHL oder verschiedenen europäischen Ligen spielen.
Wie hältst du dich derzeit fit – und gibt es Trainingsroutinen, die für dich im Sommer unverzichtbar sind?
Zusätzlich zum Eistraining bin ich fünf Tage die Woche mit anderen Profis im Off-Ice-Training. Das gehört einfach zum Sommerprogramm.
Stichwort Familie – du bist verheiratet. Was bedeutet dir diese Zeit abseits des Profi-Alltags?
Ja, ich bin verheiratet – aber Kinder haben wir (noch) keine. Dafür gehört unser Hund Rue zur Familie. Meine Frau unterstützt mich enorm, sie ist mit mir mitgezogen, hat ihr Studium auf Online-Kurse umgestellt – alles, damit ich meinen Traum weiterleben kann.
Was macht für dich Weißwasser und die Lausitz besonders? Gibt es Lieblingsorte mit der Familie?
Wir fühlen uns richtig wohl in Weißwasser. Die Gemeinschaft im Team wächst jedes Jahr zusammen, das gefällt uns. Und es ist super, dass man schnell mal in größere Städte kommt, wenn man ein freies Wochenende hat. Weißwasser war in den letzten drei Jahren wirklich ein guter Ort für uns.
Du bist bereits durch mehrere Länder gereist: Kanada, Norwegen, Slowakei. Was macht den Standort Weißwasser für dich besonders – sportlich und menschlich?
Die Fans hier sind wirklich etwas Besonderes. Ihre Leidenschaft ist mit das Intensivste, was ich je erlebt habe – egal ob zuhause oder auswärts, sie sind laut und voll dabei. Das macht einfach Spaß.
Du bist in Saskatoon geboren – einer kanadischen Großstadt mit über 245.000 Einwohnern. Der Kontrast zu Weißwasser könnte kaum größer sein. Wie erlebst du diesen Unterschied im Alltag?
Saskatoon ist natürlich deutlich größer als Weißwasser – aber meine Frau und ich genießen auch die Ruhe in einer kleineren Stadt. Der Alltag ist entspannter: Einkaufen geht schneller, kein Verkehrsstress… das hat schon was.
Ein bisschen Hochzeitstrubel gibt’s ja auch diesen Sommer – bei zwei Teamkollegen Tom und Eric) läuten die Hochzeitsglocken. Bist oder warst du mit dabei?
Leider können wir bei den Hochzeiten der Jungs dieses Jahr nicht dabei sein, weil es terminlich nicht passt. Aber wir wünschen ihnen natürlich alles Gute und einen unvergesslichen Tag!
Apropos Team – unter den vielen neuen Team-Mitgliedern sind mit Kyle Havlena, Alexis d’Aoust und Christopher Theodore auch drei kanadische Spieler in Hockeytown. Kennst du jemanden schon?
Ich erinnere mich daran, mal gegen Alexis gespielt zu haben – persönlich kenne ich ihn noch nicht, freue mich aber darauf, ihn und seine Frau kennenzulernen. Über die anderen Neuzugänge weiß ich noch nicht viel, aber ich hab gehört, dass sie sowohl sportlich als auch menschlich einen guten Eindruck machen.
In einem früheren Interview hast du gesagt, dass Paul Kariya und Todd Bertuzzi deine Vorbilder waren. Gibt es heute vielleicht einen anderen Spieler, der dich besonders inspiriert?
Momentan schau ich super gern Brad Marchand. Vor allem, wie er in den Stanley Cup Playoffs performt hat – richtig stark. Er war ein wichtiger Faktor für den Titelgewinn von Florida, das war cool mitanzusehen.
Du selbst bist bekannt dafür, dorthin zu gehen, wo es wehtut, und bis zum Umfallen zu kämpfen. Was motiviert dich, jeden Tag wieder alles reinzuhauen?
Mich treibt an, dass ich für den Club die beste Version meiner selbst sein will. Ich bin stolz auf meine Rolle im Team. Auch wenn sie vielleicht nicht jedem als die glamouröseste erscheint – ich liebe genau diese Aufgabe und will sie weiter mit vollem Einsatz erfüllen.
Mit ein bisschen Weitsicht: Wo siehst du die Füchse am Ende der kommenden Saison?
Die Liga wird jedes Jahr stärker, das merkt man deutlich. Ich denke, es wird auch diesmal wieder sehr eng – so wie in den letzten Jahren, wo jeder jeden schlagen kann. Unser Ziel ist natürlich, so weit wie möglich oben mitzuspielen – und ich bin sicher, das wird auch dieses Jahr unser Anspruch sein. Ich freu mich schon riesig auf die Herausforderungen.
Und ganz privat: Warst du in diesem Sommer schon wieder in deiner alten Heimat in Kanada?
Ja, ich war gerade erst zuhause in Kanada auf Kurzurlaub und habe die Zeit genossen – aber jetzt bin ich zurück in Weißwasser.
Hattest du dort auch die Gelegenheit, alte Freunde zu treffen und Zeit mit der Familie zu verbringen?
Ich hab die Zeit daheim mit Familie und Freunden sehr genossen. Je älter ich werde, desto mehr weiß ich solche Momente zu schätzen.
Wo lässt sich für dich persönlich Urlaub am besten genießen – eher zu Hause oder weit weg?
Caroline und ich reisen generell gerne – ob nah oder fern ist uns eigentlich egal. Hauptsache, gemeinsam unterwegs.
Du sagtest vorhin, ihr seid ja auch Hundebesitzer. Wenn es für euch zurück in die Heimat geht – kommt euer Hund dann immer mit nach Kanada?
Ja klar, unsere Hündin ist immer mit dabei. Sie ist ein fester Teil unserer Familie.
Schnellfragerunde – „Eis & Sonne mit Lane“
Grillen oder Picknick? - Grillen
Wandern in der Lausitz oder ein Sommertrip nach Kanada? -Sommertrip nach Kanada
Deutsches Lieblingssommergericht? -Schnitzel
Kanadisches Lieblingssommergericht? - Steak vom Grill
Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang? - Sonnenuntergang
Eishalle im Sommer? - na klar
Welcher Song läuft bei dir gerade im Sommertraining? - Ich hör meist das, was mir der Spotify-DJ aus meinen Lieblingssongs zusammenstellt.
Eishockey in 3 Worten? - Schnell. Taktisch. Hart.
Der perfekte Sommertag beginnt mit: - einer Trainingseinheit
…und endet mit: - einer Runde Golf
Welche Sommersportarten machen dir am meisten Spaß? - Golfen
Lane, danke, dass du dir die Zeit für das Gespräch genommen hast – wir freuen uns schon, dich bald wieder im Füchse-Trikot zu sehen!
Gerne, ich freu mich schon riesig auf die neue Saison und darauf, alle in der Eisarena wiederzusehen!
Foto: Lane (li) mit einem Freund beim Golfen