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Ein Sommer mit Füchse-Goalie Coach František Gistr

Hallo Franti! Du gehst inzwischen in deine dritte Saison bei den Lausitzer Füchsen. Wenn du auf die vergangenen beiden Jahre zurückblickst: Was macht die Arbeit in Weißwasser für dich besonders?

Für mich ist vor allem die Zusammenarbeit mit Christof, Fliege, dem Management und der gesamten Mannschaft etwas Besonderes. Jeder im Club arbeitet mit dem gleichen Ziel: das Bestmögliche für das Team und den Verein herauszuholen. Dazu kommt die große Eishockeytradition in Weißwasser und die Unterstützung unserer Fans. Das macht die Arbeit hier besonders.

Du arbeitest häufig eher im Hintergrund, aber die Entwicklung der Füchse-Torhüter ist für jeden sichtbar. In den vergangenen beiden Spielzeiten haben eure Goalies konstant starke Leistungen gezeigt, zuletzt sogar alle drei Torhüter mit Fangquoten von über 90 Prozent. Was bedeutet dir diese Entwicklung?

Natürlich freut mich diese Entwicklung. Am wichtigsten ist für mich aber, dass wir uns jeden Tag weiter verbessern und gemeinsam Schritt für Schritt vorankommen. Wenn die Torhüter sich kontinuierlich entwickeln und ihre Leistungen auf dem Eis zeigen, ist das für mich das größte Erfolgserlebnis.

Torwarttraining gilt als echte Detailarbeit. Worauf legst du dabei besonderen Wert und was sind die kleinen Dinge, auf die du bei einem Torhüter besonders achtest?

Es gibt sehr viele Details, auf die es ankommt. Die wichtigsten Bereiche sind für mich die Technik, die Taktik und das Schlittschuhlaufen.

Ein Torhüter bekommt häufig die größte Aufmerksamkeit, wenn er einen Fehler macht. Gleichzeitig ist die Position eine der wichtigsten im Team. Was fasziniert dich persönlich an der Arbeit mit Torhütern?

Mich fasziniert, dass jeder Torhüter anders ist. Für jeden funktioniert etwas anderes, deshalb gibt es keine Lösung, die auf alle gleichermaßen passt. Ich versuche, jedem Torhüter dabei zu helfen, den besten Weg für sich und seinen Körper zu finden. Genau diese individuelle Arbeit, das gemeinsame Lernen, die stetige Weiterentwicklung und immer wieder neue Impulse zu setzen, machen die Arbeit für mich so spannend.

Sommer zwischen Erholung und Vorbereitung

Nach der vergangenen Saison warst du gemeinsam mit Christof und André bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz beim Trainer-Symposium. Was waren für dich die wichtigsten Eindrücke dieser Reise?

Besonders spannend war für mich zu sehen, wie die Schweizer Nationalmannschaft arbeitet und sich auf ihre Spiele vorbereitet. Solche Einblicke sind sehr wertvoll. Gleichzeitig war der Austausch mit Trainern aus verschiedenen Ländern eine tolle Möglichkeit, neue Ideen und Perspektiven mitzunehmen. Man kann immer etwas dazulernen und neue Impulse für die eigene Arbeit sammeln.

Nimmst du aus solchen Veranstaltungen eher konkrete Trainingsideen mit oder sind es manchmal auch kleine Gedanken und Details, die später einen Unterschied machen?

Bei einem Trainer-Symposium stehen vor allem größere Themen und der Austausch mit anderen Trainern im Mittelpunkt. Natürlich nehme ich dabei immer einige Ideen und Denkanstöße mit. Konkrete Trainingsinhalte entstehen für mich aber häufig im direkten Austausch mit anderen Torwarttrainern oder bei Sommer-Camps, wenn man gemeinsam auf dem Eis steht, Übungen ausprobiert und sich intensiv über verschiedene Ansätze austauscht.

Eishockey entwickelt sich ständig weiter. Gibt es Bereiche im Torwarttraining, bei denen du aktuell besonders spannende Entwicklungen siehst?

Eine einzelne große Entwicklung sehe ich aktuell nicht. Für mich hören das Lernen und der Austausch untereinander nie auf. Besonders interessant finde ich, wie sich das Spiel rund um das Tor in den vergangenen Jahren verändert hat. Auch die Art und Weise, wie Torhüter unterschiedliche Spielsituationen lösen, entwickelt sich ständig weiter. Genau diese Details beobachte ich sehr genau und versuche, daraus neue Impulse für unsere tägliche Arbeit mitzunehmen.

Nach einer langen Saison und der Weiterbildung in der Schweiz kam sicher auch die Zeit, den Sommer zu genießen. Wie sieht ein perfekter Sommertag für František Gistr aus?

Ein perfekter Sommertag beginnt für mich mit Krafttraining und einer Trainingseinheit auf dem Eis. Am Nachmittag trinke ich gerne einen Kaffee und verbringe anschließend noch etwas Zeit auf dem Fahrrad.

Bist du eher der Urlaubstyp, der komplett abschalten möchte, oder möchtest du auch im Urlaub aktiv sein und neue Dinge entdecken?

Ich würde sagen, es ist bei mir eine Mischung aus beidem. Es tut gut, zwischendurch komplett abzuschalten und neue Energie zu sammeln. Zu lange kann ich aber nicht stillsitzen.

Welche Regionen oder Länder haben dich bisher besonders beeindruckt? Gibt es einen Ort, an den du gerne zurückkehren würdest?

Ich verbringe meine Zeit besonders gerne in Österreich und Italien, vor allem in den Bergen. Die Regionen rund um Nassfeld und Tarvisio gefallen mir sehr gut.

Wir haben gehört, dass du sehr gerne wanderst. Woher kommt diese Leidenschaft? Was gibt dir das Wandern, was du vielleicht im Alltag als Trainer nicht bekommst?

Ich war schon immer gerne mit Freunden in den Bergen unterwegs. Es macht mir Spaß, neue Wanderwege und Gipfel zu entdecken und gemeinsam das Ziel zu erreichen. Beim Wandern finde ich eine Ruhe, die mir im Alltag oft fehlt. Dort kann ich den Kopf frei bekommen, von der Arbeit abschalten und einfach die Natur genießen. Das ist für mich der perfekte Ausgleich zum Leben in der Stadt und zum täglichen Trainingsbetrieb.

Gibt es eine besondere Wanderung oder einen Moment in der Natur, der dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Einmal haben wir versehentlich den falschen Weg genommen. An einer Stelle bin ich dabei fast den Berg heruntergerutscht. Im Nachhinein können wir zum Glück darüber lachen.  Ansonsten ist jede Tour anders, aber immer gut und interessant.

Was hälst du von Urlaub im Großstadt-Gewimmel ?

Das ist eher nicht mein Ding. Es gibt zwar viele spannende Städte, die ich gerne einmal für ein paar Tage besuchen würde, aber auf Dauer zieht es mich eher in die Natur.

Bist du eigentlich der Surfer-Typ oder beherrscht du die Wakeboard- Anlagen?

Nein, eher nicht. Mit Wasser bin ich nicht so befreundet. Das einzige Wasser, auf dem ich mich wirklich wohlfühle, ist das gefrorene.

Was fehlt dir noch in deinem Urlaubsplan, um zu sagen, das ist ganz außergewöhnlich und möchte ich unbedingt erleben?

Japan würde mich sehr reizen. Die Kultur, die Landschaft und die Menschen finde ich unglaublich spannend. Das ist definitiv ein Land, das ich irgendwann einmal bereisen und selbst erleben möchte.

Fit für die neue Saison

Auch Trainer müssen körperlich vorbereitet in eine neue Saison starten. Wie hältst du dich im Sommer fit? Gibt es feste Routinen oder bestimmte Sportarten, die dich begleiten?

Ich absolviere regelmäßig Krafttraining und bin viel mit dem Fahrrad unterwegs. Darüber hinaus probiere ich oft spontan auch neue Sportarten aus.

Hat sich dein Verhältnis zu Fitness verändert, seit du nicht mehr selbst als Spieler auf dem Eis stehst, sondern als Trainer arbeitest?

Ja, auf jeden Fall. Ich stehe nicht mehr selbst als Spieler auf dem Eis, deshalb hat sich mein Training natürlich verändert. Das Krafttraining ist aber fester Bestandteil geblieben. Zusätzlich probiere ich immer wieder andere Sportarten aus, zum Beispiel Boxtraining gemeinsam mit Christof. So bleibe ich fit und bringe gleichzeitig etwas Abwechslung in den Trainingsalltag.

Wann beginnt bei dir wieder dieses typische Saisonkribbeln? Gibt es einen bestimmten Moment, an dem du merkst: Jetzt geht es wieder richtig los?

Das Saisonkribbeln beginnt bei mir ungefähr zwei Wochen, bevor ich wieder nach Weißwasser fahre. Ab diesem Zeitpunkt richtet sich der Fokus immer mehr auf die neue Saison und die Vorfreude wächst mit jedem Tag.

Zwischen Heimat und Weißwasser

Deine Heimat liegt in Tschechien. Was bedeutet Heimat für dich?

Heimat bedeutet für mich vor allem Familie, Freunde und das Gefühl, zu Hause zu sein.

Was hat sich in deiner Heimatstadt verändert? Gibt es etwas Neues, dass du in diesem Sommer vielleicht entdeckt hast?

Etwas Neues habe ich in diesem Sommer nicht entdeckt. Die schönen Orte, Restaurants, Cafés und Parks sind immer noch genauso da, wie ich sie kenne. Tatsächlich habe ich noch eine neue Strecke zum Spazierengehen gefunden. Die war allerdings deutlich länger als gedacht.

Wenn du deine Heimat mit Weißwasser vergleichst: Welche Unterschiede fallen dir besonders auf?

Der Vergleich fällt mir schwer, weil Zlín meine Heimatstadt ist und für mich immer etwas Besonderes bleiben wird. Grundsätzlich ist Weißwasser kleiner und hat deutlich weniger Einwohner. Auch die Landschaft unterscheidet sich. In Weißwasser ist es flacher, während ich aus einer Region komme, die stärker von Hügeln und Bergen geprägt ist.

Und andersherum gefragt: Was schätzt du inzwischen an Weißwasser und den Menschen hier besonders?

Ich schätze vor allem, dass hier jeder das Beste für den Verein geben möchte. Die Menschen sind ehrlich, stehen hinter dem Club und leben Eishockey. Das macht die Stadt und den Club so besonders.

Nach zwei Jahren bei den Füchsen: Gibt es einen Moment, an dem du gemerkt hast, dass Weißwasser für dich mehr geworden ist als nur dein Arbeitsplatz?

Ich glaube, das liegt vor allem an den Menschen. Wenn man sich wohlfühlt und gemeinsam Spaß hat, ist das etwas Besonderes. Vom ersten Tag an wurde ich hier sehr freundlich aufgenommen und jeder hat mir geholfen.

Blick nach vorn

Ihr geht nun gemeinsam in eure dritte Saison als Trainerteam. Wie wichtig ist diese Kontinuität für eure tägliche Arbeit?

Ich denke, dass es sehr wichtig ist. Wir kennen uns inzwischen sehr gut und wissen genau, wie wir zusammenarbeiten und welche Ziele wir verfolgen.

Was macht die Zusammenarbeit mit Christof und André für dich besonders?

Für mich sind beide menschlich klasse. Wir verstehen uns sehr gut, arbeiten vertrauensvoll zusammen und haben auch abseits des Eises viel Spaß miteinander.

Gibt es etwas, bei dem du sagst: „Da möchte ich noch ein weiteres Detail finden“?

Ich glaube, man sollte sein ganzes Leben lang offen dafür bleiben, Neues zu lernen und neue Dinge zu entdecken. Es gibt immer Details, die man verbessern kann.

Was braucht ein Torhüter aus deiner Sicht neben Talent und Technik, um langfristig erfolgreich zu sein?

Neben Talent und Technik braucht ein Torhüter vor allem den Willen, sich jeden Tag weiterzuentwickeln und hart an sich zu arbeiten.

 

Zum Abschluss: Satzanfänge mit František Gistr

Mein perfekter freier Tag beginnt mit … Fliege zu sehen

Wenn ich nicht in der Eishalle bin, findet man mich meistens … im Kraftraum der Eishalle.

Die schönste Reise meines Lebens war … nach Seceda in den Dolomiten.

Ein Ort, den ich jedem Menschen empfehlen würde, ist … Nassfeld.

Eine Eigenschaft, die einen guten Torhüter ausmacht, ist … eine starke Arbeitsmoral.

Was viele Menschen über mich nicht wissen: … ich habe ein Jahr in Spanien gelebt.

An Weißwasser gefällt mir besonders … die Eishalle und die Natur mit ihren Wäldern.

Auf die neue Saison freue ich mich, weil … es einfach wieder geil ist, Eishockey zu spielen.

Mein Lieblingsspruch ist: Unser Pressesprecher und sein Urlaub. 😉😎

 

Danke für das Gespräch, Franti! Wir wünschen dir weiterhin einen erholsamen Sommer und freuen uns darauf, dich bald wieder in Hockeytown begrüßen zu dürfen.

Gerngeschehen. Ich freue mich auch.